Klavierspielen als Gehirntraining


Ein Klavierschüler beschäftigt sich, häufig ohne dass er sich dessen bewusst wird, mit den Errungenschaften der europäisch geprägten und später von Komponisten aus aller Welt weiterentwickelten Musikkultur. Mozart, Beethoven, Chopin und andere schufen einen ganz eigenen musikalischen Ausdruck, den zu erlernen sehr spannend sein kann.

Überdies entfaltet das Klavier, insbesondere der Flügel, eine ungeheure Klang- und Ausdrucksvielfalt, was damit zusammenhängt, dass zum einen mehrere Töne gleichzeitig gespielt werden können und zum anderen durch die großen Saiten ein voluminöser Klang erzeugt wird, der Spieler und Zuhörer gleichermaßen mitzureißen vermag. Das Klavier ist das einzige Instrument, das, bildlich gesprochen, ein ganzes Orchester ersetzen kann.

 

Darüber hinaus bietet das Erlernen des Klavierspiels auch konkrete Vorteile bezüglich der Intelligenzleistung, insbesondere dann, wenn schon in frühen Jahren damit begonnen wird. Durch das Spiel werden beide Gehirnhälften aktiviert und die Ausbildung neuronaler Verknüpfungen gefördert, da linke und rechte Hand koordiniert werden müssen (die Gehirnforschung geht davon aus, dass die linke Gehirnhälfte für die rechte Hand und die rechte Gehirnhälfte für die linke Hand zuständig ist).

 

Der in Japan bekannte Neurologe Toshiyuki Sawaguchi kam durch seine Untersuchungen zu folgendem Ergebnis: „Die beste Beschäftigung für Kinder ist Klavierspielen. Durch die Fingerbewegung, das vorausschauende Spiel und das Auswendiglernen wird die Leistung des Gehirns optimiert. Die Kinder, die Klavier lernen, sind intelligent und verlieren weniger die Kontrolle über sich.“ In dem Buch "Einstein-Faktor" wird dargelegt, dass Kinder, die das Vom-Blatt-Spielen üben und regelmäßig Gehörtraining absolvieren, einen um 10 Punkte höheren IQ aufweisen.

 

Doch nicht nur Kinder, auch Erwachsene profitieren von einer Ausbildung im Klavierspiel. Es wurde durch Untersuchungen nachgewiesen, dass durch die einschlägigen Übungen der Hippocampus im Gehirn aktiviert wird, was der Entstehung von Demenz entgegenwirkt.

 

Diese Vorteile können gut nachvollzogen werden, wenn man sich die Leistungen des Gehirns beim Klavierspielen genauer ansieht.

 

1. Zunächst müssen die Noten gelesen werden. Ein blitzschneller Decodierungsprozess wird in Gang gesetzt.
2. Das Gehirn setzt die erhaltenen Informationen in motorische Leistungen

(Finger- und gegebenenfalls Fußbewegungen) um.
3. Die getroffenen Tasten erzeugen Klänge, die das Gehirn sofort auf ihre Stimmigkeit hin überprüft.
4. Gleichzeitig richten sich die Augen und ein Teil der Aufmerksamkeit auf die nächsten zu spielenden Noten.

 

 Ein guter Klavierspieler hat ein besser ausgeprägtes sogenanntes Arbeitsgedächtnis. Es empfiehlt sich insbesondere, manche Stücke auswendig zu lernen. Auswendig zu spielen heißt, sich nicht nur auf die Noten, die auf dem Papier stehen, zu konzentrieren, sondern das gesamte Stück als eine Geschichte zu betrachten und persönlich wiederzugeben. Der positive Nebeneffekt für Kinder liegt darin, dass sie ihr Gedächtnisvermögen trainieren, das für alle Schulfächer von Vorteil ist.

 

Bei einer Umfrage unter den Studenten der Tokyo-Universität, der besten Universiät in Japan mit der schwierigsten Aufnahmeprüfung, wurde ermittelt, dass 79% der Studentinnen und 44% der Studenten in ihrer Kindheit Klavierunterricht hatten. Diese Ergebnisse kann ich aus meiner pädagogischen Erfahrung heraus bestätigen. Sehr häufig zeigen Kinder, die gut Klavier spielen, auch in der Schule überdurchschnittliche Leistungen. Einer meiner besten Klavierschüler, den ich seit seiner Kindheit bis in die 13. Klasse unterrichtet habe, erzielte die hervorragende Note von 1,2 im Abitur.

 

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